Geschichte der Wiener Oboe

Klassische Oboe Die Wiener Oboe, ja wie gibt es das, dass sich eine Stadt den Luxus einer eigenen Oboe hält?
Um es vorwegzunehmen, wir sind da eigentlich ganz unschuldig. Wir versuchen hier nur unser Erbe weiterzuführen.

Dies zu verstehen, hilft uns ein Ausflug in die Geschichte.
Bis zur sogenannten Periode des Barocks und auch noch der Klassik waren die Instrumente in der damaligen musikalischen Welt meist gleich gebaut. Die damaligen Oboen mussten sich mit 2 Klappen am Unterstück begnügen. Im Laufe der klassischen Periode ist aber durch verschiedene Fortschritte im Instrumentenbau bereits eine größere Anzahl an sogenannten Klappen möglich geworden. 1825 gab der Oboist Joseph Sellner in Wien eine Schule für Oboe heraus, die eine Abbildung eines Instrumentes mit 13 Klappen enthält. Mit dieser Schule und der dazugehörigen Oboe war um diese Zeit wohl ein Höhepunkt der damaligen Instrumentenbaukunst erreicht.
Theobald Böhm setzte weitere Schritte in der Entwicklung, die auch durch die Weiterentwicklung der Metallverarbeitungstechnik ermöglicht wurden (ab ca. 1832mit der Böhmflöte, später gab es auch eine Böhm-Oboe). Dies führte dazu, anstatt der vorher dafür gebräuchlichen Holzwulst, die Lagerung der Klappen auf Metallböcke umstellen zu können. Auch der Einsatz tropischer harter Hölzer wie das noch heute verwendete Grenadill verdrängte das bis dahin gebräuchliche Buchsbaum.

Um 1850 begann in Frankreich ein eingewanderter Deutscher namens Triebert mit Experimenten, die von ihm und seinen Söhnen in verschiedenen Stadien weitergeführt wurden. Dies führte im Jahre 1890 zu der heutigen „Französischen Oboe“, als dieses Instrument am Pariser Konservatorium zum Standard festgelegt wurde. Daher kann man seit diesem Zeitpunkt von der „Französischen Oboe“ sprechen.
In Wien aber war um diese Zeit eine gegensätzliche Entwicklung festzustellen:
Hier kam es durch das Engagement des aus Dresden stammenden Oboisten Richard Baumgärtel (1858-1941) an die Wiener Hofoper im Jahre 1880 zu einem neuen Einfluss. Dieser brachte eine Oboe aus der Werkstätte Carl Goldes (1803 - 1873) aus Dresden mit. Da der Klang dieser Oboe sehr geschätzt wurde, sie von der Stimmung aber höher war, als damals in Wien üblich, wurde sie in Zusammenarbeit mit dem Wiener Instrumentenmacher(n) Hajek [und Stecher]nun an die Wiener Verhältnisse angepasst. Es wurde ein Instrument entwickelt, welches die Vorzüge der in Wien wahrscheinlich noch immer gebräuchlichen Nachfahren der klassischen Oboen mit denen der Golde Oboe kombinierte, und welches wir als die Grundlage der noch heute gebräuchlichen Wiener Oboe kennen.

Deutsche OboeZu dieser Zeit war im deutschsprachigen Raum noch die sogenannte „Deutsche Oboe“ in Gebrauch, die sich aber immer mehr dem Einfluss der „modernen“ Französischen Oboe ausgesetzt sah. So wurden manchmal einige Klappenanlagen (z.B.: am rechten kleinen Finger die Anordnung der Klappen für c, cis und es) übernommen, die Instrumentenmacher hatten aber auch keine einheitlichen Bauweisen für die Lage der Klappen für den linken kleinen Finger (f, es und h). Später kam auch eine Automatik der Oktavklappen hinzu, die es aber bei der Französischen Oboe (früher) nicht gab. Ein Vorteil der Französischen Bauweise war auch die durch die Verlängerung und Verengung, sowie gleichmäßige Bohrung entstandene Umfangerweiterung bis zum tiefen b.
So kam es in den nach dem ersten Weltkrieg allmählich zu einer Übernahme der Französischen Bauweise und einem langsamen Ausstieg aus der Verwendung der „Deutschen Oboe“ im deutschsprachigen Raum.

Zurück nach Wien: hier muss noch anmerkt werden, dass Wien und seine Ausbildungsstätten im Zentrum der Monarchie mehr Einfluss auf die Verbreitung des verwendeten Instrumentariums hatte, auch nach dem ersten Weltkrieg noch. So wurde natürlich in Österreich um diese Zeit hauptsächlich diese Oboe verwendet. Die Bezeichnung „Österreichische Oboe“ wäre daher für die damalige Situation richtiger, insbesondere gilt dies für die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.
Alexander Wunderer, der 1919 die Nachfolge Baumgärtels an der Akademie für Musik in Wien angetreten hatte, konnte jedoch das langsame stetige Steigen der Stimmung nicht verhindern.
So wurde als nächster Schritt Ende der 30er Jahre eine Verkürzung vorgenommen. Daran beteiligt waren die Oboisten Hans Kamesch und Dr. Hans Hadamowsky, sowie der Instrumentenmacher und Nachfolger Hajeks, Hermann Zuleger. Als Zuleger 1949 starb, waren 13 kurze Oboen fertig gestellt und der damalige Lehrling Walter Kirchberger (geb. 1928) musste die weitere Produktion übernehmen. Durch diese Situation sah Hans Kamesch, der seit 1938 als Nachfolger Wunderers an der Akademie gekommen war, keine Zukunft mehr für die Wiener Oboe, und kündigte seine Professur 1950.
Doch sein Nachfolger Dr. Hadamowsky konnte die Situation wieder stabilisieren und so besserte sich die Lage allmählich wieder. Man war froh, die Stellen in Wien besetzen zu können, leider aber führte diese Situation zum Verlust der Stellen in den Bundesländern.
So hat sich die nun ab dieser Zeit zu recht so genannte „Wiener Oboe“ weiter gehalten, bis sich in den 1980er Jahren die unbefriedigende Situation am Instrumentensektor immer mehr dadurch verschärfte, dass der Neubau an Instrumenten fast völlig zum Erliegen kam, und auch die Qualitätsschwankungen der Oboen ein Ausmaß angenommen hatte, welches man nicht mehr tolerieren wollte. Man versuchte daher, Alternativen zu finden.

Siehe auch unter www.woodwind.at einen ausführlichen Bericht über die Wurzeln der „Wiener Oboe“.

Die letzten 2 Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts

Wirtschaftlich betrachtet, kann man von einem Instrumentenmacher nicht erwarten, dass er viel investiert und dann aufgrund der geringen Absatzmöglichkeiten wenig daran verdient. So kann man es als Glücksfalls bezeichnen, dass die Firma Yamaha (in Japan!!) den Bau von Wiener Oboen aufnahm. Gerhard Turetschek hatte den Kontakt hergestellt und Klaus Lienbacher hatte ebenfalls großen Anteil an der Entwicklung der Yamaha Oboen mit Akihiko Takeuchi und dem Oboisten und für Servicearbeiten zuständigen Keji Shimizu. Durch viele Experimente wurde hier natürlich vieles verändert. Auch kam später eine Variante mit der sogenannten Vollautomatik hinzu. Die Wiener Oboe erlebte erstmals eine bisher nie gekannte Qualität in der Fertigung und es gab Instrumente nach relativ kurzer Bestellzeit. Daher wurden diese Modelle zu den meistgespielten in den Wiener Orchestern.
Leider ist es nicht gelungen, eine Werkstatt der Fa. Yamaha in Wien (wie beim Wiener Horn) einzurichten.
Durch das fortgeschrittene Alter Herrn Kirchbergers (Fa. Zuleger) und den Tod Hubert Schücks gab es in Wien selbst keine Erzeugung unseres Instrumentes mehr.

Das 21. Jahrhundert

In den letzten zehn Jahren hat sich nun auch durch die Existenz unserer Gesellschaft einiges zum Positiven geändert. Durch die Möglichkeit einer größeren Anzahl von Bestellungen begannen einige Instrumentenmacher überhaupt erst mit dem Bau und seit kurzem ist auch in Wien wieder eine Werkstatt anzutreffen.

Die Gesellschaft hat bisher von folgenden Firmen neue Instumente gekauft:

  • Christian Rauch
  • André Constantinides
  • Karl Radovanovic
  • Guntram Wolf
  • Yamaha

Gebrauchte ebenfalls von Yamaha und den Firmen Zuleger, Schück und Klose.

Wir wollen in diesem Zusammenhang auch der OESTIG (Österreichische Interpretengesellschaft mit dem Präsidenten Paul W. Fürst für die genehmigten Förderansuchen danken, durch die es möglich war, zusätzliche Ankäufe zu tätigen. Ebenfalls werden wir durch die Wiener Philharmoniker bei der Erhaltung einer Oboe und der Versicherung für drei Instrumente regelmäßig unterstützt.

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